2020 geht es um die Motivation einer ganzen Generation nachwachsender Ärztinnen und Ärzte

Dr. med. Ingeborg Kreuz | Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein

Die Zukunft der Medizin ist weiblich und das ist auch gut so. Wir müssen im ambulanten Bereich attraktive Arbeitsbedingungen schaffen, damit Frauen auch bereit sind, sich als Ärztin in einer Praxis niederzulassen und der Schritt in die Niederlassung für Frauen nicht länger nur zweite oder dritte Wahl ist. Ärztliche Arbeit muss sich lohnen – finanziell, besonders aber privat. Es geht um nichts anderes, als um die Motivation einer ganzen Generation nachwachsender Ärztinnen und Ärzte.

In den vergangenen Jahren ist der Anteil der Frauen in der ambulanten Versorgung kontinuierlich gestiegen. Inzwischen sind rund 36 Prozent der niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten in Schleswig-Holstein weiblich, Tendenz steigend. Denn nicht nur in den Praxen, auch in den Hörsälen der Universitäten sitzen immer mehr Frauen: Im Fach Medizin machen sie mittlerweile zwei Drittel der Studienanfänger aus. Die Zahlen belegen: Die Zukunft der Medizin ist weiblich und das ist auch gut so.

Vor dem Hintergrund des Ärztemangels, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird, stellt uns diese Entwicklung aber auch vor große Herausforderungen. Wir müssen im ambulanten Bereich attraktive Arbeitsbedingungen schaffen, damit Frauen auch bereit sind, sich als Ärztin in einer Praxis niederzulassen. Nur so wird es uns gelingen, die drohenden Versorgungslücken speziell in den ländlichen Regionen zu schließen. Attraktiv sind die Arbeitsbedingungen dann, wenn sie auf die Lebensplanung der Frauen abgestimmt sind und eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein tut schon jetzt einiges, um diesen Forderungen nachzukommen: Seit der Umstrukturierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes im Jahr 2007 gehören 60-Stunden-Woche mit Notdiensten in den Nächten und am Wochenende der Vergangenheit an. Seitdem haben unsere niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte mehr Zeit für ihre Familien. Attraktiv ist auch unser Zweigpraxen - Modell, das dem Wunsch der Ärztinnen nach einer flexiblen Ausübung ihres Berufs nachkommt. In Schleswig-Holstein arbeiten schon jetzt rund 120 Ärztinnen in einer Zweigpraxis, oft in Teilzeit oder im Angestelltenverhältnis. Auch die Vertretungsregelung in Arztpraxen wurde verbessert. Ärztinnen können sich nach der Geburt eines Kindes über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren vertreten lassen. Dies sind erste Maßnahmen, damit der Schritt in die Niederlassung für Frauen nicht länger nur zweite oder dritte Wahl ist. Weitere müssen folgen. Dabei kommt es darauf an, die Arbeit in einer Arztpraxis möglichst früh kennen zu lernen. Das gibt den Frauen ein realistisches Bild über die tatsächliche Arbeitsbelastung und die vorhandenen Möglichkeiten, sich Freiräume für die Familien zu schaffen.

Ärztliche Arbeit muss sich lohnen – finanziell, besonders aber privat. Es geht um nichts anderes, als um die Motivation einer ganzen Generation nachwachsender Ärztinnen und Ärzte. Eine immer älter werdende Bevölkerung braucht Ärztinnen und Ärzte vor allem in den Praxen und nicht in anderen Berufsfeldern, sonst bricht die ambulante Versorgung in Deutschland zusammen.
Zuletzt bearbeitet 30.05.2011 15:25 Uhr