2020 ist die Angst vor der vermeidlichen Feminisierung der Medizin längst out

Kathrin Klimke-Jung | Allgemeinmedizinerin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Medizinische Lehre an der Ruhr-Universität Bochum

Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und beruflichen Zufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten werden 2020 konsequent umgesetzt, familienunterstützende Dienstleistungen seitens der Arbeitgeber sind selbstverständlich. Es gibt ein klar strukturiertes, familienfreundliches fachärztliches Ausbildungssystem - Lehre, Patientenversorgung und Forschung werden als gleichberechtigte Arbeitsfelder des ärztlichen Berufs definiert. 2020 arbeiten Ärztinnen und Ärzte ausgesprochen gerne im deutschen Gesundheitssystem.

Lebensqualität ist 2020 das zentrale Motto in der gesundheitlichen Versorgung. Es gilt gleichermaßen für Patientinnen und Patienten wie auch für Ärztinnen und Ärzte und Pflegende. Maßnahmen zur Gesundheitsförderung und beruflichen Zufriedenheit von Ärztinnen und Ärzten werden in allen Bereichen des deutschen Gesundheitssystems, das seine Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als größtes Kapital betrachtet, konsequent umgesetzt.

Familienunterstützende Dienstleistungen gehören zur Selbstverständlichkeit an deutschen Kliniken. Kindererziehung und Familienarbeit werden von Ärztinnen und Ärzten gleichermaßen erbracht, da sie kein Karrierehindernis mehr darstellen, sondern als Ausdruck gesundheitsfördernder Lebensgestaltung interpretiert werden. Karriereverläufe sind flexibilisiert und berücksichtigen die Unterschiede weiblicher und männlicher Biographien.

Strukturierte und von Mentoren begleitete einheitliche Weiterbildungsrotationen sorgen für ein qualitativ hochwertiges und transparentes fachärztliches Ausbildungssystem, das gut mit familiärer Lebensplanung vereinbar ist. Berufsbegleitende Weiterbildungsprogramme der Ärztekammern sind nicht länger eine Frage der finanziellen Machbarkeit, sondern eine Selbstverständlichkeit, die dem medizinischen und gesellschaftlichen Wandel Rechnung tragen. Ihre Teilnahme ist weitestgehend kostenfrei. Wissenschaftliche Qualifizierungsphasen sind integrale Bestandteile des ärztlichen Berufs, ermöglichen strukturierte medizinische Promotionen auf PhD Niveau im Rahmen der beruflichen Weiterqualifizierung und werden als solche finanziell gefördert.

Lehre, Patientenversorgung und Forschung werden als gleichberechtigte Arbeitsfelder des ärztlichen Berufs definiert. Ärztinnen und Ärzte haben die Möglichkeit, lebenslang variierende Schwerpunkte zu setzen. Zwischen stationärem und ambulantem Versorgungsbereich bestehen flexible Übergänge. Patientenversorgung vollzieht sich in gleichberechtigten interdisziplinären Arbeitseinheiten, Chefärzte sind Vergangenheit, Consultants die Regel. Die medizinische Versorgung an sich ist in dem Sinne „feminisiert“, dass Kommunikation, Beziehung und Pflege im diagnostisch-therapeutischen Prozess die gleiche Wertschätzung wie medizinisch-technische Interventionen erfahren.

Alle Ebenen des Gesundheitssystems sind gleichermaßen von Frauen und Männern besetzt, auch der Vorstand der Bundesärztekammer, dessen Präsidentschaft eine Ärztin inne hat. Als eine der zentralen Aufgaben wird das Eintreten für eine konsequente Gesundheitsförderung auf allen gesellschaftlichen Ebenen formuliert. Teilhabe, Empowerment und Arbeit in der Patientenversorgung ist in, Klüngel, persönliche Profitgier und gesundheitsfeindliche Arbeitsbedingungen sind out. 2020 arbeiten Ärztinnen und Ärzte ausgesprochen gerne im deutschen Gesundheitssystem, einem Arbeitsfeld, dass hohe gesellschaftlich Anerkennung, berufliche Zufriedenheit, Gleichstellung männlicher und weiblicher Lebensentwürfe sowie eine hohe Lebensqualität in vorbildlicher Weise miteinander vereint.
Zuletzt bearbeitet 30.05.2011 15:30 Uhr