Datenschutz in Klinik und Praxis - 2020 verändern Telemedizin und Telematik die Beziehung zwischen Ärztinnen und Patienten

Dr. med. Christiane Groß M.A., Wuppertal l Fachärztin für Allgemeinmedizin, Psychotherapie, ärztliches Qualitätsmanagement, Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes

Telematik im Gesundheitswesen reizt zu interner Diskussion, weil geplante Elemente nicht nur zur Verbesserung des ärztlichen Handelns führen, sondern als zusätzliche bürokratische Hürde wahrgenommen werden. Die kritische Haltung bleibt bestehen trotz des im Sinne der Ärzte verbesserten Konzeptes der Telematikinfrastruktur (TI) nach §291a SGB V. Telemedizin wird weniger kritisch diskutiert, weil Telemedizin ärztliches Handeln umsetzt in neue Dimensionen und in einer neuen Kommunikationsebene. Neben schon seit Jahren funktionierender Telemedizinprojekte (z.B. Unterstützung von Schiffsärzten) entwickeln sich unter Anderem Projekte in der Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz oder Schlaganfall, die jedoch in der Versorgung der Patienten noch nicht angekommen sind.

Schon heute findet elektronische Vernetzungen im Gesundheitswesen statt. Neben den Praxisverwaltungssystemen (PVS) und Krankenhausinformationssystemen (KIS) existieren vernetzte Praxen, Netzwerke von Krankenhäusern und angeschlossenen Praxen und Krankenhauskonzerne mit deutschlandweitem Austausch von elektronischen Patientenakten. Dazu werden größere und kleinere Server genutzt und Daten über verschiedene Systeme ausgetauscht. Neben den zentralen Netzen etablieren sich auch dezentrale Übertragungswege für Patientenakten z.B. auf CD oder USB-Stick.

Die Arzt-Patient-Beziehung basiert auf dem gegenseitigem Vertrauen, in der der Arzt als persönliches Gegenüber nicht ersetzbar ist. Trotz aller Forderungen nach einem partizipativen Muster mit einer weitgehenden Gleichberechtigung zwischen Patient und Arzt bleibt immer eine Asymmetrie des Wissens und Handelns bestehen, auch wenn sich der Patient mit Hilfe des Internets inzwischen ausgiebiger und vollständiger informieren kann als je zuvor. Der Patient bleibt hilfsbedürftiger Patient (lat. patere = leiden), der sich vom ärztlichen Handeln Hilfe erhofft. Dennoch kann durch die Vorinformation die Compliance gestört sein.

Auf Seiten des Arztes könnte es problematisch sein, wenn durch zu viele vorher erhaltene Informationen aus elektronischen Patientenakten die Empathiefähigkeit gestört wird. Unstrukturierte und unkontrolliert kopierte Daten in elektronischen Akten können Zeitdruck und Frustration fördern und zusätzlich die Empathie vermindern. Datensparsamkeit kann dem entgegenwirken..

Die Wahrung des Patientengeheimnisses steht für die Ärzteschaft und deren Tätigkeit an hervorgehobener Stelle, ebenso wie die Überlegung, den medizinischen Nutzen und die Praxistauglichkeit der neuen Technologie in den Vordergrund zu stellen.
Zuletzt bearbeitet 20.01.2014 13:45 Uhr