ETHIK AUSSCHUSS des Deutschen Ärztinnenbundes
Kommentar zur Evaluationsstudie der Hochschule Heilbronn zur Einführung der eGK

Achtung: Der Telematikbericht von 2009 ist veraltet und wird überarbeitet

1. Positiv: Dass überhaupt eine Begleitstudie durchgeführt wurde.

2. Positiv: Dass die Forscher der Hochschule Heilbronn aus den schwierigen Bedingungen überhaupt ein lesbares Ergebnis hergestellt haben.

3. Positiv: Dass der Versuch einer Kontrollgruppe auf Vorschlag des DÄB tatsächlich unternommen wurde. Leider erwiesen sich jedoch sowohl die Erstellung einer zahlenmäßig und nach Patientenstruktur ausreichenden Testgruppe,wie auch die einer dementsprechend angemessenen Kontrollgruppe nicht oder nur mit großen Einschränkungen durchführbar und daher kaum aussagekräftig.

4. Positiv: Dass viele der wesentlichen Aspekte angesprochen wurden. Z.B war die Akzeptanz oder Nichtakzeptanz der eGK unabhängig vom Geschlecht der Testperson.

5. Positiv: Dass das Problem des Einflusses der eGK auf die Arzt-Patient- Beziehung thematisiert wurde.

6. Positiv: Die Zusammenfassung der Befürchtungen der Teilnehmer ergibt einen gründlichen Überblick über die Nachteile der eGK.

7. Negativ: Weniger als die Hälfte der teilnehmenden Versicherten hatten die eGK überhaupt eingesetzt.

8. Negativ: Die Darstellung ist in vielen Punkten unübersichtlich und teilweise irreführend, wenn z.B. Farbgebungen entgegen der statistischen Aussage gewählt werden.

9. Negativ: Es handelt sich nicht um eine ausreichend interpretierbare Studie, da nicht a priori geplant sowie mit problematischem Design und unzureichender Power ausgestattet.

10. Negativ: Nur 17 Ärzte/Ärztinnen nahmen an der Evaluation teil, sowie 10 Ärzte/ Ärztinnen in der nichtteilnehmenden Kontrollgruppe. Dies ist eine zu kleine Gruppe für verallgemeinernde Schlussfolgerungen.

11. Negativ: Einschätzungen der Ärztinnen und Ärzte gehen in „allgemeinen Leistungs-erbringern“ unter, worin Arzthelferinnen, Apothekenhelferinnen und Sekretärinnen der Kliniken dreifach häufiger vertreten sind als die Ärzteschaft. Dies ist unzulässig, da es schließlich auf die Funktionalität im ärztlichen Bereich ankommt, ob die eGK überhaupt medizinisch nützlich ist.

12. Trotz dieser niedrigen Gruppengrößen war die allgemeine Beurteilung der eGK negativ. Vorteile wurden keine gesehen (Nutzen unentschieden), Gefahren wurden deutlicher gesehen (eher gefährlich), besonders die „Leistungserbringer“ (dabei auch die Ärztinnen und Ärzte) sahen die Risiken und Nebenwirkungen deutlicher als andere.

13. Besonders die damit einhergehende Mehrarbeit und Fehlerquellen wurden dramatisch hoch eingeschätzt.

14. Bei allen teilnehmenden Gruppen herrschte ausgeprägtes Misstrauen gegenüber der Datensicherheit und größte Sorge bzgl. der Missbrauchsrisiken.

15. Große Befürchtungen herrschten dahingehend, dass die Kosten der eGK den Nutzen
wesentlich übersteigen würden.

Der Deutsche Ärztinnenbund schätzt den medizinischen Zusatznutzen als fragwürdig bis bestenfalls marginal ein.

Der Deutsche Ärztinnenbund schätzt die enormen Kosten für die eGK als unverantwortlich hoch ein, da wertvolle Gesundheitseuros sinnlos verschleudert werden.

Aus den Ergebnissen der hier durchgeführten Studie kann kein unterstützendes Argument für die Einführung der eGK gewonnen werden. Sie sollte nicht implementiert werden.
Zuletzt bearbeitet 16.03.2009 11:10 Uhr