Foto: B. R. Basha

Trauerbewältigung nach einem Suizid: Bemerkenswert
anders erzählt

Artikel
16.12.2020 19:37
In diesem Roman erzählt Isabel die Geschichte einer Frau, die ein Jahr nach dem Tod ihres Lebensgefährten wieder anfängt zu laufen. Das Buch begleitet die Protagonistin bei ihren regelmäßigen Lauf-Trainings, bei denen sie noch einmal sämtliche Phasen der Trauer und Verzweiflung durchlebt.

Im Verlauf des Romans erfahren wir, dass der Lebensgefährte aufgrund einer Depression einen Suizid ausgeübt hat. Sein Freitod hat die Protagonistin in Selbstzweifel und -beschuldigung geführt. Mit Hilfe ihrer Freundin Rieke, ihrer Arbeit und einer Psychotherapeutin findet sie ins Leben zurück. Aus ihrem anfänglichen gehetzten Davonlaufen wird nach und nach ein stärkendes Selbsterleben und Zu-Kräften-Kommen.

Einblick in die Psychotherapie
Isabel Bogdan hat einen Roman geschrieben, der auf gefühlvolle Weise das nicht immer einfache Leben mit einem geliebten depressiven Menschen und den Gefühls-Super-GAU des Suizids beschreibt. Darüber hinaus gibt sie Einblick in die Arbeitsweise und Möglichkeiten der Psychotherapie. Besonders bemerkenswert ist, dass die Autorin in der Figur der Freundin Rieke zeigt, wie wir alle mit unseren Nächsten in einer Krise umgehen können: Ein unverkrampfter und unvoreingenomme­ner Kontakt bietet Stabilität und Perspektive. Dieses Buch berührt und ist lesenswert aus Sicht einer Ärztin oder Psychotherapeutin, einer Partnerin, Freundin, Schwiegertochter oder Schwiegermutter.

Isabel Bogdan: Laufen. Verlag Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-05349-4

Dr. med. Ulrike Berg ist Vorsitzende der DÄB-Regionalgruppe Wiesbaden-Mainz.

E-Mail: wiesbaden-mainz@aerztinnenbund.de
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