Welche Ergebnisse zeigt der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey?

Dr. rer. nat. Bärbel-Maria Kurth, Professorin und Direktorin der Abteilung Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung am Robert-Koch-Institut sowie Leiterin des Nationalen Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) und Leiterin des Deutschen Erwachsenengesundheitssurveys (DEGS) stellt in ihrem Festvortrag die Zusammenhänge zwischen sozialer Lage, Bildung und Gesundheit anhand der Ergebnisse des Kinder- und Jugend-Gesundheitssurveys dar.

Der Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) hatte zum Ziel, durch eine bundesweite repräsentative Untersuchung und Befragung von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 0 und 18 Jahren die Datenlage zur Gesundheit der heranwachsenden Generation in Deutschland zu verbessern und Informationslücken zu schließen. Von Mai 2003 bis Mai 2006 nahmen 17.641 Jungen und Mädchen an 167 Orten der Bundesrepublik an der Studie teil und lieferten gemeinsam mit den Angaben Ihrer Eltern einen einzigartigen Datenpool, der seit nunmehr drei Jahren systematisch ausgewertet wird. Die dabei unter anderem festgestellten Unterschiede zwischen den Sozialschichten und zusätzlich für Kinder mit Migrationshintergrund, das Zusammenwirken von Risikofaktoren und Schutzfaktoren und die festgestellte Verschiebung von den akuten zu den chronischen, von den somatischen zu den psychischen Störungen lassen die These einer „neuen Morbidität“ bei Kindern und Jugendlichen entstehen, die zu einem großen Teil von Störungen der Entwicklung, der Emotionalität und des Sozialverhaltens bestimmt ist.

Die im Sinne von Public Health am schwersten wiegende Erkenntnis ist, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien nicht nur in einzelnen Bereichen von Gesundheit und Lebensqualität schlechtere Ergebnisse aufweisen, sondern in durchweg allen. In dieser Gruppe findet man eine Häufung von Risikofaktoren, eine Häufung von Unfällen, Krankheit, Übergewicht, Umweltbelastungen, eine schlechtere gesundheitliche Versorgung und häufigere psychische Auffälligkeiten. In vielen Fällen ist die Bildung der Mutter, insbesondere bei den jüngeren Kindern, der wesentliche Einflussfaktor auf die gesundheitliche Entwicklung. Dies zeigt sich beispielsweise bei der Herausbildung von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter, bei der Freizeitgestaltung ebenso wie beim Rauchverhalten der Kinder und deren Passivrauchexposition.

KiGGS zeigt, dass es eindeutig zu definierende Risikogruppen bei den Kindern und Jugendlichen gibt, die eine Förderung insgesamt benötigen, nicht nur in gesundheitlichen Bereichen, sondern auch auf dem Gebiet von Bildung, Sport, Freizeitangeboten, schulischer Verpflegung und vielem anderen mehr. Damit ist die Gesundheit unsrer Kinder keine allein medizinische oder gar ärztliche Angelegenheit. Hier stehen wir vor der gesamtgesellschaftlichen Aufgabe, für alle Jugendliche gleiche Chancen einzuräumen, unter anderem eben auch auf gesundheitlichem Gebiet.
Zuletzt bearbeitet 09.11.2009 10:32 Uhr